Geschichten

Businesspläne

„Duhuuuu, Ferkel? Ferkel! Wach doch mal auf!“ Isabella stupste das dösende Schweinekind an. Ferkel machte unwillig ein Auge auf. Irgendwas beschäftigte sie, das sah es an der Brille auf Halbmast und der sorgenvoll gerunzelten Stirn. Außerdem hatte sie einen Satz ohne ihre geliebten Sssss-Laute formuliert, stellte Ferkel fest, seufzte und öffnete auch das zweite Auge.
Fragend schaute es seine Freundin an. „Sssag mal – diessser Typ da, der da gessstern so einen Quatsssss geredet hat, wesssswegen da jetsss die Antssseige wegen Volksssverätsssung läuft, also du weissst sson, dieser Akif Printssssi“ – Ferkel wusste nicht, aber das war Isabella offenbar egal. „Also jedenfallsss – der Typ hat Katssenkrimisss gesssrieben. So Krimisss, in den Katssen ermittelten“ – Ferkel winkte ungeduldig ab. Nicht dass Isabella ihm jetzt auch noch erklären wollte, was eigentlich Katzen waren. Wobei – was genau waren nochmal Krimis? Egal. Konnte nicht so wichtig sein.

„Alsssso, die Katsssen ermitteln jetssst nicht mehr“, dozierte Isabella vor sich hin – jetzt nicht mehr sorgenvoll, sondern zunehmend aufgeregt. Aha, dachte Ferkel, und schaute sich unauffällig um. So ein Schläfchen auf dem Sofa macht schon immer irgendwie hungrig, und so ein Äpfelchen – oder gar Kohlrabi… hach. Isabella entging das nicht. „Jetsss hör doch mal tsssu!“, motzte sie los. „Ich hab die Idee! Nen Geisstesblitss“, schob sie lispelnd hinterher: „für nen Dssob für unss!“ Watt? Job? Arbeit? Ferkel wurde doch hellhörig. Arbeit ist doch das, was die Mädels immer machten, um Äpfelchen  und Altpapier und alles, was das Ferkelherz begehrte, kaufen zu können. Leider rückten sie das Zeug nicht immer in ferkelgerechten Mengen raus, fand Ferkel – also immer nur einzeln. Wenn man jetzt selbst ’nen Job hätte – hm. „Hrrorch“ machte es – Isabella sollte endlich rüberkommen mit ihrer Idee.

Das ließ sich das Schweinemädchen nicht zweimal sagen. „Alssso. Der Verlag will die Katssenbücher von dem Printssssi nicht mehr verkaufen, weil der ein Assssloch issst. Hab ich gelessen. Die Katssen sind alssso gewisssermassen ihren Dssob los“, erklärte sie. „Dasss heissst, dassss keiner mehr ermittelt! Dass iss ne Marktlücke! Ne Nieeessssse!“ „Hatschi“, machte Ferkel pflichtschuldig. „Nicht niessssen! Ne Niiieeesssse! Ne Lücke halt!“ Isabella redest sich langsam in Rage. „Weisst du – ich hab mir gedacht, wie wäre es, wenn wir, alsssso du und ich, alsssso wir tssswei, alsssso … alsssso wenn wir ssstattdesssen ermitteln würden?“ Isabella trippelte von einem Bein aufs andere und guckte Ferkel mit glänzenden Augen erwartungsvoll an. „Dasss wär doch der Knaller, oder wass?“

Ferkel wusste erstmal nicht so richtig, was es dazu sagen sollte. Es war doch gerade erst wach geworden. Um Zeit zu gewinnen, guckte es erstmal zurück – zwecklos: „Nu ssssag doch auch mal wasss!“, lispelte Isabella ungebremst weiter. „Hrch“, machte Ferkel und versuchte schlau zu gucken. Manchmal nervte Isabella wirklich. Kann die einen nicht erstmal aufwachen lassen? Und warten, bis man ein Äpfelchen gefunden hat oder wenigstens einen Keks? Isabella hatte aber offenbar keine Lust zu warten, sondern drängelte sich an Ferkel vorbei, rannte durch die Zimmertür, bog nach links ab und flog wegen des hohen Tempos auf dem glatten Holzfußboden fast aus der Kurve. „Jetsss komm sssson!“, rief sie von unterwegs, ungefähr auf der Höhe der Schuhregale. „Ich weissss, wo wir Fälle herkriegen!“

Seufzend machte sich Ferkel auf den Weg, hinter seiner Freundin her. Immerhin war sie Richtung Küche gelaufen – die Wahrscheinlichkeit, dass sich da irgendwas Fressbares finden ließ, war hoch. Als Ferkel da ankam, war Isabella schon ins Altpapier gesprungen und wühlte fröhlich darin herum. Ooooooh! Das war eine gute Idee! Eigentlich war das ja verboten, weil das immer so viel Dreck machte, aber wenn das Ermitteln war… Ferkel hüpfte hinter Isabella in die Kiste und fuhrwerkte mit dem Rüssel durch Prospekte und alte Zeitungen. „Ssssieh mal!“ rief Isabella. Sie hatte den Prospekt einer Tierhandlung gefunden und stieß ihren Rüssel auf ein Bild von drei Kaninchen in einem Käfig. „Die Meerssssweinchen da ssind ssicher entführt worden! Wir könnten sssie befreien!“

Ferkel verzichtete darauf, Isabella auf die Unterschiede zwischen den Tierarten aufmerksam zu machen – das war schließlich zweitrangig. Selbst war es währenddessen auch fündig geworden. Empört zeigte es auf Werbeprospekte eines Supermarkts mit Fleischtheke. Isabella verstand sofort. „Dasss issst ja krasss: Ssssweine in Einssselteilen!“, kommentierte sie und beschloss: „Team Isssabella ermittelt!“ Ferkel grunzte empört auf und funkelte Isabella an. „Okeeeee, hassst Recht. Isssabella und Ferkel?“ Zufrieden nickte Ferkel. Jetzt gab es nur noch eine Hürde – irgendwie mussten sie Judith und Susanne klarmachen, dass sie jetzt Detektive waren. Schließlich brauchten sie ja jemand, der sie aus der Wohnung ließ und das Mittagessen für den neuen Job einpackte und so.

In dem Moment kam Judith auch schon durch die Tür. Oh ohhh…  Sie seufzte, legte die Äpfelchen – Äpfelchen! – auf den Tisch und pflückte die beiden Schweinchen aus der Schnipselwolke. „Was treibt ihr denn schon wieder?“, fragte sie und trug die kleinen Chaosstifter aus der Küche. Die Äpfelchen blieben leider da, stellte Ferkel bedauernd fest. „Euch kann man auch keine Minute allein lassen!“, schimpfte sie. „Ihr sollt doch nicht ins Altpapier…“

Eigentlich hätten sie jetzt schuldbewusst gucken und niedlich mit den langen Wimpern klimpern müssen, wusste Ferkel aus Erfahrung – das hatte ihnen die Gunst der Mädels meisten sehr schnell wieder gesichert. Aber dafür waren die Schweinekinder schlicht zu aufgeregt. Isabella und Ferkel quiekten und grunzten durcheinander, aber auch Judith war irgendwie… aufgeregt. Vor allem schimpfte sie gar nicht mehr. „Jetzt hört doch mal zu!“, Judith legte ihnen je einen Finger auf die Rüsselspitze. „Ihr wisst sicher nicht, wovon ich rede… Aber da gibt es so einen Typ, der Katzenkrimis geschrieben hat“, sagte sie. „Der hat sich ziemlich unbeliebt gemacht, und seine Katzen sind jetzt gewissermaßen ihren Job los… Lust auf Detektivstories?“

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